50 Jahre FSV-Pretzfeld

  50 Jahre FSV-Pretzfeld
(1959 – 2009)

Vortrag von Josef Seitz anlässlich der Jahreshauptversammlung
mit Festakt zur 50 Jahr Feier am 07.03.2009

Dass die Fränkische Schweiz eine reizvolle Landschaft ist, entdeckten schon im ausgehenden 18. Jahrhundert die Romantiker. Vor allem die geheimnisvollen Höhlen übten eine Anziehungskraft auf Naturfreunde, Wanderer und Abenteurer aus.

Noch war dieses vom Herrgott mit viel Schönheit und Reiz ausgestattete Ländchen nicht als Fremdenverkehrsgebiet proklamiert. Denn das beginnende Industriezeitalter ließ solche romantische Landschaften eher links liegen. Die Menschen in dieser für den Fremdenverkehr weitgehend unerschlossenen Alblandschaft lebten wohl auf einem schönen Fleckchen Erde, aber ihr Alltag vollzog sich jenseits eines wohlhabenden sorglosen und wirtschaftlichen Wohlstandes.

Die Landschaft dem Menschen in seinem Dasein nutzbar zu machen, das war das große und hehre Ziel einer Gruppe von Pionieren, die sich um 1900 bemühten, durch die Förderung des Fremdenverkehrs den Lebensstandard der ansässigen Bevölkerung zu heben.

Dieses Leitziel suchten einige der Heimat besonders verbundene Personen und Per­sönlichkeiten konsequent zu verfolgen, um die allgemeinen Lebensbedingungen der Landleute zu verbessern und der Abwanderung in Städte und nach Übersee entgegen zu wirken.

So gründeten 1901 Pfarrer Johannes Tremel von Volsbach und Bezirksarzt Dr. August Deppisch aus Pottenstein in der Schüttersmühle den „Fränkische-Schweiz-Verein“.

Ihre Ideale verdienen es, in einer Jubiläumsversammlung ins Bewusstsein gerufen zu werden, um im Vergleich mit den Aktivitäten des Ortsvereins das aktuelle Wirken zu bewerten und zu verstehen.

Die Gründer führen in den beschlossenen Statuten folgende Zielsetzung an:

Der Verein soll

  • dem Fremden den Besuch der Fränkischen Schweiz erleichtern,
  • den einheimischen Naturfreunden den Aufenthalt verschönern
  • und die ansässige Bevölkerung von den Vorteilen eines verstärkten und geregelten Fremdenverkehrs zu überzeugen.

Für die Erfüllung dieses Zweckes empfehlen sie

  • Heimatpflege durch Erschließung und Erhaltung der Naturschönheiten,
  • Herstellung und Markierung von Wanderwegen,
  • Verbesserung der Verkehrs- und Verpflegungsverhältnisse,
  • Heimatkundliche Forschungen und deren Veröffentlichung
  • und schließlich Pflege des Jugendwanderns.

Damit ist der FSV eine Ergänzung der andernorts schon bestehenden Wandervereine, bei denen das Wandern als Vereinsziel dominierte.

Wannbach, damals schon ein aufgeschlossener Ort, in dem Handel und Wandel blühten, ließ sich schnell von den neuen Zielen begeistern. Dort gründeten die Bür­ger umgehend einen Ortsverein und schlossen sich dem Hauptverein an.

Pretzfeld dagegen verweilte weiter im „Dornröschenschlaf“.

Über unseren Ort gingen hinweg

  • zwei Weltkriege,
  • Weltwirtschaftskrise
  • und selbst die zwangsweise Auflösung des „Fränkische-Schweiz-Verein“ samt seinen Ortsgruppen im Jahre 1934.
  • Auch das Wiedererstehen, das die Militärregierung 1947 genehmigte, war kein fröhliches Erwachen. Denn alle Unterlagen des Archives und die gesamte Li­teratur waren in Nürnberg den Bomben und der Artillerie zum Opfer gefallen. Aber davon war die Pretzfelder Öffentlichkeit auch gar nicht berührt.

Erst im Jahre 1959 -also 58 Jahre nach der Erstgründung des Fränkische-Schweiz­ Verein begann sich die Gründeridee in Pretzfeld zu regen.

Franz Och, damals noch gar nicht Bürgermeister, kam durch seine Berichterstattung in viele Dörfer der heimatlichen Täler und Höhen und erfuhr so von den wirtschaftlichen Vorteilen fortschrittlicher Gemeinden und von deren Traditionsbewusstsein. Diese Wahrnehmungen zündeten. Und so verschrieb er sich gezielt der Aufgabe, auch in unserem Ort die Früchte des Fortschritts durch Angleichen an zeitliche Bedürfnisse wirken zu lassen. Seine Idee stieß nicht sofort auf allgemeine Begeisterung und Enthusiasmus. Und so drängt sich uns zwangsläufig ein Vergleich mit seiner eigenen Situation auf: In jener Zeit veröffentlichte er ein autobiografisches Büchlein mit dem Titel:

„Pflüger auf steinigem Boden“.

Ich frage: Deckt sich der Buchtitel mit seinen idealistischen Vorstellungen und Erfahrungen der damaligen Jahre?

Tatsache ist, dass Franz Och -nach gezielten Vorgesprächen- eine Anzahl von einflussreichen Personen, Geschäftsleuten, Gastwirten und die gesamte Bevölkerung für den 9. Mai 1959 zu einer Informationsveranstaltung in das Gasthaus Lamm einlud.

Diese Versammlung ist jene Stunde, deren wir -nach 50 Jahren- in diesem Augenblick ja -ich sage- „ehrfurchtsvoll“ gedenken.

Es waren anwesend

  • der Erste Vorsitzende des FSV-Hauptvereins, Rechtsrat Heinrich Uhl aus Muggendorf
  • und der Schriftführer des Hauptvereins, Hans Mayer aus Ebermannstadt.

Rechtsrat Uhl erinnerte an die primären Aufgaben des Hauptvereins und nannte als besondere Vorhaben für Pretzfeld:

  • Ortsverschönerung,
  • Pflege der Heimatgeschichte und Heimatliteratur,
  • Erschließung der Umgegend für den Wanderer durch die Schaffung neuer Wanderwege.
  • Das Dorfbild sollte sauberer und durch Schaffung kleiner Anlagen bereichert werden.
  • Besonderes Gewicht sollte auch auf den Fensterblumenschmuck gelegt werden, um das Ortsbild freundlicher zu gestalten.
  • Im Laufe der Jahre sollten die Möglichkeiten des Fremdenverkehrs verstärkt und ausgeschöpft werden.

Ganz in diesem Sinne war auch der Lichtbildervortrag von Hans Mayer zu sehen. Die Bildreihe trug den Titel:

„Schönheiten in der Fränkischen Schweiz“.

Die Informationsveranstaltung wurde auch zur Gründungsversammlung. Aus Gründen der Solidarität und des Werbungseffektes einigte man sich schnell auf den offi­ziellen Namen

„Fränkische-Schweiz-Verein, Ortsgruppe Pretzfeld“

 Bei der Wahl zur neuen Vorstandschaft wurde Franz Och mit den Aufgaben des ersten Vorsitzenden betraut. Das weitere Wahlergebnis: zweiter Vorsitzender Otmar Roppelt, Schriftführer Gemeindesekretär Theo Haas, Kassier Walter Zeißler, Markierungs- und Wanderwart Herbert Pachl, Verschönerungswart Friseurmeister Josef Stingl. Mit den Aufgaben der Schrifttums- und Heimatpflege wurden Hauptlehrer Georg Henfling und Lehrer Josef Seitz betraut, welche beide auch dem Ausschuß angehören. Weitere Beisitzer wurden

  • Kreisrat, Bürgermeister Georg Schirmer als Vertreter der Marktgemeinde,
  • Restaurantsbesitzerin Jette Gath als Vertreterin des Gastgewerbes und
  • Geschäftsführer Konrad Thiem von der Absatz- und Verwertungsgenossenschaft für Obst- und Gartenbauerzeugnisse.

Unverzüglich nahm die Vorstandschaft ihre nun übernommene Verantwortung wahr.

Doch Schwerpunkte, Prioritäten und Wirkungsweise des Vereinslebens werden immer geprägt vom jeweiligen Vorsitzenden. Er bestimmt die Leitziele und setzt die Akzente.

 

Franz Och leitete die Aufbauphase von 1959 – 1966

und war bestrebt, die Leitlinien des Hauptvereins in Pretzfeld zu verwirklichen. Be­reits wenige Tage nach der 1. Versammlung fand eine Ortsbegehung statt. Aus diesen Erkenntnissen erwuchsen die ersten konkreten Vorhaben:

  • Schon im ersten Winter wurden unter dem 2. Vorsitzenden Roppelt 9 Ruhebänke in Eigenarbeit erstellt und im Frühjahr aufgestellt.
  • Wanderungen und Lichtbildervorträge förderten das Heimatgefühl.
  • Den schlechten Zustand von Straßen, Plätzen und Häusern vermochte der junge Verein nicht sofort und auch nicht umfassend zu beheben, da Wasserleitungsbau und Kanalisation nicht abgeschlossen waren. Doch mit dem Rückhalt des Vereins gelang es der Gemeinde, die Schäden am „katastrophalen Zustand des Bahnhofsplatzes“ durch die Bundesbahn zu beheben.
  • Auf Resonanz in der Bevölkerung stieß die Intensivierung des Blumenwettbewerbs als Maßnahme der Ortsverschönerung. Bei einem Heimatabend, den Theo Haas im Cafe Gath gestaltete, fand eine viel beachtete Prämierung statt.
  • Das große Vorhaben, den Fremdenverkehr zu beleben, stieß nur auf mäßig starkes Echo. Nach einer Erfassung der verfügbaren Betten in Pretzfeld und einem werbenden Vortrag von Landrat Franz Josef Kaiser konnten sich nur wenige bäuerliche Anwesen entschließen, das vom Landwirtschaftsamt unterstützte Projekt „Urlaub auf dem Bauernhof“ für sich zu nutzen. Damit blieb das Bemühen um Zuerwerb durch Schaffung von Übernachtungsmöglichkeiten weitgehend ignoriert. Und eines der Urziele des FSV konnte sich in Pretzfeld nicht nachhaltig durchsetzen.
  • Als erste betont kulturelle Initiative dieser Gründerjahre ist der Antrag an den Gemeinderat zu werten, am Geburtshaus des verdienten Ehrenbürgers Christoph Beck eine Erinnerungstafel anbringen zu lassen. Im Jahre 1960 enthüllte der stellvertretende Ministerpräsident Rudolf Eberhard, der Becks Schüler war, bei einer Feierstunde diese Gedächtnistafel. Fortan fühlte sich der Verein als Hüter und Sachverwalter des dichterischen, schriftstellerischen und kulturellen Erbes von Dr. Beck.
  • „Kappenabende“ hatten in Pretzfeld Tradition. So wurde dann auch das erste gesellige Ereignis des jungen Vereins ein bunter Abend in der Faschingszeit mit anschließendem Tanz. Diese Veranstaltung war Vorläuferin der späteren Faschingstänze im Cafe Gath und des dann aufblühenden Rosenmontags­rummels im Vereinslokal Herbst. Doch diese gesellige Variante des Vereinslebens erlahmte im Laufe der Jahrzehnte zusehends.

Als Franz Och 1966 Bürgermeister wurde, konnte er seinem Nachfolger Erwin Wunder einen blühenden, erfolgreichen Verein – mit 30 Mitgliedern konstant geblieben – übergeben.

 

Der neue Vorsitzende, Erwin Wunder, konnte auf ein solides Fundament auf­bauen. Er führte den Verein von 1966 1970 in unermüdlichem Einsatz.

Ein erneuter Versuch, dem Fremdenverkehr „die Tore zu öffnen“ -wie es eine Bal­kenüberschrift in der Presse ausdrückte- fand wiederum keinen Widerhall. Auch der Plan, am Judenberg eine Skiabfahrt für die Jugend zu schaffen, blieb nach einem guten Start letztlich doch nur ein Wunschtraum. Dafür setzte Wunder neue Akzente und weitete damit den Aktionskreis des Ortsvereins erheblich aus:

So wurden 2 neue Ausschüsse gebildet, die künftig Schwerpunkte bilden sollten:

  1. Naturschutz – Heimatpflege – Heimatschutz und
  2. Jugendschutz – Volkstumspflege – Denkmalschutz.

Zudem stellte sich die Zusammenarbeit mit den Ortsvereinen und der Schule als sehr positiv heraus.

  • Die Oberklassen der Schule übernahmen die Wegemarkierung;
  • Schulentlassene Jugendliche schnitzten aus Holz 16 Wegweiser, die der Hin­führung ins überörtliche Wegenetz dienten.
  • An der Förderung des Blumenschmuckes und an der Prämierung der schönsten Vorgärten beteiligten sich auch der Obst- und Gartenbauverein und die Naturfreunde.
  • Der FSV half bei der großen Säuberungs- und Ordnungsaktion im Friedhof.
  • Eine Reinigung der Trubach wurde gemeinsam mit Markt, Jugend und den beiden Müllern durchgeführt.
  • Das erste Sonnwendfeuer wurde 1966 am Teufelsgraben abgebrannt und dann in den Götzenhof und auf die Tratt verlegt. Seit 1973 wird der Holzstoß am Fuß des Kellerwaldes entfacht. Die Bewirtschaftung führt nicht nur die Ortsbewohner zusammen, sondern erweist sich auch als rentierliche Einnahmequelle des Vereins. Hierbei zeigt auch der Musikverein seine Solidarität.

Zielstrebig steuerte der Ortsverein -zusammen mit der Gemeinde- nun denkmal­schützerische Anliegen an.

  • In einer Restaurierungsaktion leistete der Verein für die Instandsetzung der Nepomuk-Statue 500 DM von den 1900 DM Gesamtkosten.
  • An den Kosten für die Erhaltung des Richterkreuzes beteiligte er sich mit 400 DM.
  • Für die fachmännisch durchgeführte Instandsetzung der Marter an der Kapelle wurden von der Gemeinde 2900 DM geleistet.
  • Und Otmar Roppelt hat damals das Theilerkreuz am Ortsausgang nach Wannbach kostenlos gestrichen.
  • An Markthalle, Ortsausgängen und Kapellenumfeld erstellten Mitglieder des Vereins neue Grünanlagen, um das Ortsbild positiv zu prägen.
  • Um das Geschichtsbewusstein zu fördern, finanzierte der Verein
    • unterstützt von freiwilligen Spenden, die Drucklegung der Haas’schen Chronik.
    • Ebenso auch ein erstes Faltblatt von Josef Seitz mit kurzem Abriss der Ortsgeschichte.

Von größter Bedeutung war jedoch

  • die Erneuerung der Pretzfelder Tracht, wobei verdienstvoll genannt werden müssten: Frl. Lilly Schottky, Kunigunda Hutzler und Dorothea Glas. Diese Tracht wurde1968 in der Markthalle unter großem Beifall der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zu einem besonderen Glücksfall wurde die

  • Gründung der Kerschtenzupfer durch Theo Haas, die nun fortan den Verein bei jeder Veranstaltung repräsentierten und zu Pretzfelds bedeutendstem Werbeträger wurde.
  • Auch bei der Vorbereitung des ersten Kirschenfestes 1968 halfen Kerschtenzupfer und Vereinsmitglieder eifrig mit, beteiligten sich am Roden und Urbarmachen des Kellerwaldes.
  • Und bei der inhaltlichen Gestaltung des Festes setzten Theo Haas und die Kerschtenzupfer betont fränkische Akzente, die sich dann leider verflüchtigten, als primär der erzielte Erlös als Erfolg gesehen wurde.
  • Unvergessen soll bleiben, dass der von den Kerschtenzupfern und vom Vor­sitzenden Wunder erwirtschaftete Betrag den Grundstein für die anschließende Restaurierungsaktion des Kapellen-Ensembles darstellte.

Als Häuslebauer musste sich Erwin Wunder aus der Vereinsführung zurückziehen. Bleibt aber statistisch festzuhalten, dass in diesen 6 Jahren die Mitgliederzahl auf 70 anstieg.

Ihm folgte 1970 Ambrosius Leisgang, der diesen Posten dann 7 Jahre ausfüllte. Im Improvisieren und Organisieren besonders versiert, setzte er den durch Och ein­geschlagenen und von Wunder weiter verfolgten Weg fort.

Auch diese Etappe erweist sich als sehr fruchtbar und ersprießlich und wirkte beein­druckend mit Dorfabenden in die Öffentlichkeit hinein. Es galt, besonders das Werk Christoph Becks der Dorfgemeinschaft zu erschließen:

  • 1970 wurden in einem Heimatabend bei Herbst Becks Gedichte und Erzählungen rezitiert.
  • 1972 stellt J. Seitz in der überfüllten Markthalle Becks Leben und Werk -wenn auch damals noch mit primitiven Anschauungsmitteln- vor.
  • Die Kirchweihbräuche erfuhren durch Theo Haas eine Wiederbelebung.

Auch Maßnahmen der Ortsverschönerung wurden fortgeführt:

  • Die Gestaltungsaktion im Pretzfelder Friedhof wurde vom Ortsverein mitgetragen und mit 250 DM unterstützt.
  • Im Kreiswettbewerb „das schönere Dorf“ wurde der Friedhof Hagenbach mit einem Ersten Platz bedacht.

Die Wanderbewegung erfuhr 1971 einen neuen Impuls, als Theo Haas eine erste Winterwanderung nach Reifenberg durchführte. Diese Nachtwanderungen entwickel­ten sich zu Paul Wuttkes Zeiten zu einer besonderen Attraktion des Vereinslebens.

 

Fast eine private Unternehmung war es, als im Februar 1976 das Ehepaar Haas -zusammen mit Schule und Eltern- einen kleinen Faschingszug organisierte und damit eine viel beachtete mehrjährige Tradition aus der Taufe hob. Der in der Folgzeit von Paul Wuttke geführte Gaudiwurm, der durch Mitwirkung aller Ortsvereine zu einem viel beachteten Spektakel wurde, zog jahrelang Schaulustige aus Dorf und Umgebung an.

Besonders fruchtbar entfaltete sich in diesen Jahren auch die Sing- und Volkstanzgruppe der Kerschtenzupfer,

  • die 1973 zu einem Besuch in den Landtag eingeladen wurde,
  • 1973 durfte sie dem Landtag bei seiner Informationsfahrt durch die Fränkische Schweiz in Pretzfeld ein Ständchen darbringen.
  • 1987 erhielten die „Kerschtenzupfer“ den kulturellen Förderpreis des Landkreises Forchheim.
  • 1992 erkannte die Hanns-Seidel-Stiftung auf Schloss Banz die Erfolge der Gesangsgruppe mit der Verleihung eines Förderpreises an.

Aus gesundheitlichen Gründen gab Ambrosius Leisgang 1977 den Vorsitz an Hans­ Karl Angermann ab. Der konnte gleich mit der Vorbereitung mehrerer Feste beginnen:

  • Schon am Himmelfahrtstag 1977 begingen die Kerschtenzupfer mit einem mehrtägigen Programm im Schlosshof ihr 10-jähriges Bestehen.
  • Da der Hauptverein die Pretzfelder Herbstkirchweih 1977 zu seinem Heimattag ausersehen hatte, waren auf dem Schulgelände umfangreiche Vorarbeiten nötig. Doch verhinderte strömender Regen das Samstagsprogramm, sodass der Ablauf am Sonntag auf Betzentanz, Volkstumsabend und Kirchweihtanz reduziert werden musste.

Von künstlerischem Rang und Genuss waren Adventsfeiern und Weihnachtssingen, bei denen auch bekannte und prominente Mundartdichter gastierten. Die Adventsfeiern haben bis heute ihr gehobenes Niveau bewahrt.

Angermann organisierte auch einen Ehrungsabend anlässlich des 90. Geburtstages von Frl. Lilly Schottky, den die Kerschtenzupfer festlich umrahmten und Josef Seitz die Lebensstationen der Förderin des Ortsvereins, der Kerschtenzupfer und des Hauptvereins auffächerte.

Im Jahre 1980 startete -unter Beteiligung des FSV, freiwilliger Schüler und mehrerer Gemeinderäte- die „Aktion Saubermänner“, bei der der Reisberg von Unrat befreit wurde.

In diese 4 Jahre fallen auch zwei bedeutsame Anträge an den Gemeinderat:

  • die Stümmelung der Linden an der Kapelle und
  • die Aufstellung von Wandertafeln.

Eine „Sternstunde“ für Angermann war am 17.6.1979 die Einweihung des Franz­ Josef-Kaiserweges, der von Pretzfeld nach Pottenstein führt und als Gedächtnis an das fruchtbare Wirken in 16jähriger Landratstätigkeit und an 14 Jahre Vereinsführung des FSV erinnert. Während eine Feierstunde in der Schule dem Gedenken des letzten Ebermannstädter Landrats und Ehrenbürger Pretzfelds galt, weihte Pfarrer Bamberger anschließend, in einem festlich umrahmten Akt, vor dem Gasthaus Lamm die durch Vorsitzenden Preis enthüllte Wandertafel. Die erste Wanderung führte aller­dings nur in den Pretzfelder Kellerwald zu Rast und Brotzeit.

Allerdings muss auch mit etwas Wehmut festgestellt werden, dass in diesen Jahren das allgemeine Interesse am Wettbewerb Blumenschmuck mehr und mehr schwand und 1980 letztmalig eine öffentliche Prämierung statt fand.

Durch Wegzug bedingt, gab Karl-Heinz Angermann den Vorsitz nach 4 Jahren im Ortsverein auf. Ihm folgte 1981 Paul Wuttke, der sich in den letzten Jahren bereits große Meriten im Vereinsleben erwarb und sich für seine neue Aufgabe hinlänglich prädestiniert fühlen konnte.

Seine beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten brachte er nutzbringend in das Vereinsgeschehen ein,

  • indem er umgehend die Ausbesserung des Daches der Angerkapelle einleitete,
  • vermehrt Sitzgruppen an geeigneten Stellen anbringen ließ
  • und -zusammen mit Erwin Wunder- gezielt das Aufstellen von 9 Wandertafeln auf gemeindlichen Plätzen erreichte.

Wuttke, selbst Wanderfreund aus Leidenschaft, intensivierte das Wandern

  • ließ die Nachtwanderung mit fröhlicher Einkehr und beschwingtem Rückweg zum Kult werden,
  • führte die Busfahrten als Familienwandertag ein,
  • beteiligte sich selbst jahrelang mit wanderlustigen Vereinsmitgliedern an den deutschen Wandertagen.

Was 1980 erstmals von Josef Seitz als ein örtlich anberaumter geschichtlicher Rund­ gang durch Pretzfeld durchgeführt wurde, übernahm nun jahrelang der Hauptverein als überörtliche Veranstaltung in seinem Jahresprogramm.

Einen der Glanzpunkte in der Aera Wuttke bildete das 25-jährige Vereinsjubiläum im Jahre 1984. Einern Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Vereinsmitglieder, den die Kerschtenzupfer ausgestalteten, folgte der Festakt im Pfarrheim. Bei der musikalischen Umrahmung unterstützte die Buger Geigenmusik die Pretzfelder Gesangs­gruppe.

  • Als Festredner sprach Hans Max von Aufseß über das „Fest aller Feste – die Kerwa in Franken“.
  • Der Chronist Josef Seitz „ließ einen bunten Strauß von besonderen kulturellen und gesellschaftlichen Leistungen wieder aufblühen“ und skizzierte die Bedeutung des Vereins im dörflichen Leben, -wie damals die Presse berichtete.
  • Stellvertretender Hauptvorsitzender Otto Schmidt händigte (für den durch Unfall verhinderten Fritz Preis) den noch lebenden Gründungsmitgliedern eine Urkunde aus:
    • Franz Och, Theo Haas, Otmar Roppelt, Erwin Wunder, Walter Zeißler, Josef Seitz, Konrad Rauhtäschlein, Eva Trautner, Johanna Herold, An­na Preller, Wolfgang Basedow, Adolf Müller, Franz Kestler, Andreas Schirmer und lrmingard Ruckdeschel.

Paul Wuttke sah auch Früchte seines eigenen Einsatzes und seiner Vereinsmitglieder wachsen und reifen. Sichtbare Zeichen von Anerkennungen und überörtlichen Ehrungen:

  • 1987 erhielt er als aktiver Heimatpfleger -zusammen mit weiteren Stützen des Vereins- nämlich lngeburg Nickel (für Erhaltung der bodenständigen und Pflege der erneuerten Tracht) und Josef Seitz (für Erhaltung der Kulturwerte im Pretzfelder Raum) das Vereinsabzeichen in Silber.
  • 1988 wurde ihm selbst im Rahmen einer Adventsfeier das Vereinszeichen in Gold verliehen.
  • 1989 erhielt er die Silberne Ehrennadel des Verbandes der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine überreicht.

Als Vorsitzender des Ortsvereins war Paul Wuttke auch Förderer von anspruchsvollen Heimatabenden in der Aula, die die Kerschtenzupfer umrahmten und in deren Mittelpunkt Lichtbildervorträge über Lebensbilder Pretzfelder Persönlichkeiten von Josef Seitz standen:

  • 1986 zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Walter Schottky
  • 1989 wurde Lilly Schottky anlässlich ihres 100. Geburtstages gewürdigt.
  • 1989 im gleichen Jahre gedachte der FSV aus Anlass des 50. Todestages von Christoph Beck dessen „Leben im Dienste von Forschung, Schule und Volkstum“.

Und noch einen Grund zum Feiern gab es, als im Mai 1988 die Kerschtenzupfer ihr 20-jähriges Jubiläum begehen konnten. In einer kleinen Feierstunde bedachte der Moderator des Abends, Oberstudiendirektor Erich Döttl, die Gruppe würdigend mit dem Prädikat „Klingender Werbeträger für Pretzfeld“.

Bei der Organisation der Adventfeier im Jahr 1989 trat Paul Wuttke letztmals aktiv in Erscheinung. Vier Monate später, am 18. April 1990, starb er. Josef Seitz, der für den Ortsverein an seinem Grabe einen Kranz niederlegte, schloss seinen Nachruf mit den Worten:

„Es blieb Paul Wuttke leider versagt, sein Lieblingsprojekt nicht einmal beginnen zu können.

Denn seit 1982 setzte er sich mit aller Kraft für den Bau einer Obstdarre ein. Er hatte versprochen, den Bau weitgehend selbst zu erstellen, beschaffte geeignetes Bauma­terial, bearbeitete es und sehnte sich förmlich danach, den heimischen Tuffstein fachmännisch in die Gestaltung einzubringen. Nach achtjähriger Standortsuche hatte sich endlich der geeignete Platz gefunden. Es grenzt an eine Ironie des Schicksals, dass Paul Wuttke -gerade als die Genehmigung des Bauplanes und des Baubeginns vorlagen- von einer heimtückischen Krankheit heimgesucht wurde, die vier Monate später zu seinem Tode führte. Der Verein sah sich nicht mehr in der Lage, sein Ver­mächtnis zu erfüllen“.

Nach langem Suchen für einen Nachfolger Wuttkes konnte man, 10 Monate später, Karl-Ludwig Grodd für eine Kandidatur zum 1. Vorsitzenden gewinnen. Obwohl er selbst in der Mitgliederversammlung gar nicht anwesend sein konnte, wurde er am 9.3.1991 mit großer Mehrheit gewählt. Die übrige Führungsmannschaft blieb unverändert, und die Zahl der Beisitzer wurde von 7 auf 8 erhöht.

Dass die Wahl von Karl-Ludwig Grodd zum „Großen Wurf“ werden konnte, ist wohl auch dem Engagement seiner Frau zu verdanken. Sie unterstützt ihren Mann seit 18 Jahren nicht nur in der Wahrnehmung seiner Vorstandstätigkeit, sondern über­nahm selbst vakant gewordene Posten im Führungsteam:

1993 übernahm sie die volle Verantwortung für die Jugendarbeit. Und seit 1999 füllt sie auch das Amt einer Schriftführerin gewissenhaft aus.

Aus der Erkenntnis, dass die Einbeziehung der Familienmitglieder in das Vereinsleben dem Ortsverein eine lebendige, familiengerechte Prägung aufdrücken müsse, wandelte sich auch die rein sachorientierte Arbeitsweise. Die Stärkung des Wir­ Gefühls führte sehr schnell zu dem Erscheinungsbild einer großen homogenen Vereinsfamilie.

Es wurden neue Schwerpunkte gesetzt:

  • Seit 1993 wurde die Jugendarbeit als vornehmste Zielsetzung erkannt und zwar nicht nur im Hinblick auf eine zukunftsgerichtete Nachwuchsentwicklung. Das Ehepaar Grodd sah im Jahresreigen der gemeindlichen und kirchlichen Feste und Feiern willkommene Gelegenheiten, Kinder und Jugend in das Vereinsleben einzubinden und dafür auch kinderfreundliche, familiengerechte Programme zu entwickeln.
  • Schon seit 1991 wurden die jährlichen Busfahrten zu einem festen Bestandteil der Veranstaltungen, an denen fortan Familien mit ihren Kindern teilnahmen. Im Jahre 1997 führte z. B. die Herbstfahrt an der 96 Personen teilnahmen in die Tschechische Republik.
  • Schon im ersten Jahr seiner Verantwortlichkeit für den FSV vereinbarte Grodd mit Vorstandsmitglied Richard Pieger eine Exkursion durch dessen Jagdrevier.
  • Das Kinderwandern am Himmelfahrtstag mauserte sich sehr schnell zu einem Familientag. Roswitha Grodd und ihre Helferinnen und Helfer verstanden es, die Kinder zu aktivieren und die Eltern in den Ablauf mit einzubeziehen. Ratespiel (94), Pflanzenerkennungs-Quiz (95), Erforschung der Mammuthöhle (96), Geschicklichkeitsspiele (97) und Schatzsuche (98) waren die geheimnisvoll angekündigten Überraschungen. Gegrilltes, Kuchen und Kaffee sorgten alle Jahre wieder für das leibliche Wohl.
  • Im Jahre 1998 übernahm die Ortsgruppe erstmals vollverantwortlich die Gestaltung eines Tages im gemeinsamen Ferienprogramm des Marktes Pretzfeld und der Stadt Forchheim. Sachkundige Wanderungen zielten auf die Entfal­tung der Liebe zur Natur ab, führten in Burgen, Höhlen und Haine. Natürlich spendiert der Verein zu guter Letzt auch heute noch eine verdiente Brotzeit. Das Abbrennen des Johannisfeuers ist alljährlich ein Ereignis, das die Kinder auf die Achtung und Pflege des Herkommens hinweist. Dass es Vereine und Dorfgemeinschaft zusammenführt, ist für den Verein eine verpflichtende Komponente des Gemeinschaftslebens geworden.

Der Gewinnung der Jugend dienten auch attraktive Angebote,

  • wie Nikolausfahrten mit der Nostalgiebahn,
  • ein Kurs Körbeflechten,
  • Singnachmittage mit fränkischen Liedgut,
  • die Mitwirkung von Kindern bei den Adventsfeiern.

Selbstverständlich wurden auch die Ziele aus der Gründungszeit nicht vernachlässigt.

  • Wenn auch in 5 Jahrzehnten die Nutzung des Fremdenverkehrs als Nebenerwerbsquelle nicht Fuß fassen konnte, so wurde doch das Wandern zu einer Komponente des eigenen Vereinslebens. Wer erinnert sich da nicht gerne -in Erinnerungen schwelgend- des sorgsam von Franz Kolb ausgewählten und zusammengestellten Wanderprogramms, das auch über den erwanderbaren Heimatbereich hinausführte? Und Thomas Neuner wird ganz in diesem Sinne die Wanderbewegung so weiter führen, um zu verhindern, dass Wandern nur zum „gierigen Kilometerfressen“ wird.
  • Die Erschließung und Pflege der Wanderwege lag Jahrzehnte lang in den Händen von Erwin Wunder. Er begnügte sich nicht nur mit dem bloßen Markieren, sondern kämpfte auch für die Schaffung von Wandertafeln, die das Benützen des 80 km umfassenden Wanderwegenetzes von heimischen und fremden Wanderern auch zielführend begehbar wird und nutzbar angenommen werden kann. Natürlich bedurfte es der überörtlichen Kooperation mit Hauptverein und Landratsamt, wenn
    • der Kirschenwanderweg,
    • der Trubachtal-Wanderweg
    • und der Kulturweg Fränk. Schweiz
      im Rahmen des „Leader-plus-Programms“ neu angelegt wurden.
  • Die Trachtenbewegung erfuhr von Pretzfeld aus Impulse und Unterstützung durch lngeburg Nickel, die viele Jahre hindurch das Amt einer Trachtenbeauf­tragten im Hauptverein wahrnahm und selbst zu einer „Institution“ wurde. Besondere Anerkennung erfuhr ihre Leistung für Ausstellungen, als deren bedeutendste die Ausstellung beim Heimattag im Kellerwald gilt. Marga Grüner hat im Ortsverein ein bestelltes Haus übernommen. In einem eigenen Vereinsraum hat jetzt auch der stattliche eigene Trachtenbestand eine Bleibe gefunden.

Die Aktivitäten des Heimatvereins wirken auch hinein in die Öffentlichkeit. Und dem Chronisten fällt es schwer, die einzelnen Aktionen nicht angemessen würdigen zu können, sondern sie nur in Form einer listenmäßigen Aufführung erwähnen zu dür­fen.

Der FSV fühlt sich immer gefordert, wenn feierliche oder gesellschaftliche Ereignisse dem dörflichen Leben Impulse, Unterstützung und Glanz verleihen sollen.

Im Jahreskreis haben so ihren festen Platz:

  • das Neujahrssingen, von Theo Haas neu belebt und erst 2008 an Thomas Neuner weiter gegeben. (In der letzten Silvesternacht stieß er erstmalig ins Horn!),
  • Johannisfeuer, bei denen Kinder die Fackeln an den Holzstoß legen und Musikverein und FSV Jung und Alt betreuen und unterhalten.
  • Der FSV beteiligte sich an den gemeindlichen Kirschenfestzügen und organisierte Adventskonzerte.
  • Der FSV hat bedeutenden Anteil an der Pflege der Freundschaft zwischen Pretzfeld und Bretzfeld,
  • unterhält einen Stand bei der Kilianikerwa und beim Weihnachtsmarkt,
  • fördert die Ausstellungen des Künstlerkreises aus der Freundschaftsgemeinde Bretzfeld.
  • Einen Magnet bilden die seit 1978 von Hermann Bieger organisierten Ausstellungen als „Zugabe“ zum Kirchweihablauf. Hermann Bieger ist es verdienstvoll anzurechnen, dass er
    • alle verfügbaren alten Fotografien in seine mustergültige Sammlung aufnahm,
    • alle Vorkommnisse und Stationen des Alltags im Bilde festhält,
    • die Öffentlichkeit an seiner „Schatzkammer“ teilhaben lässt und dass er darüber hinaus
    • mit seinem Freund Klaus Kutsche das Pretzfelder Alltagsleben im Film festhält.

Den Mitgliedern zur persönlichen Erbauung und zur Information dienen alljährlich zwei Vorträge, deren Themen eine breit gestreute Palette des allgemeinen Interesses darstellen. Roswitha Grodd hat in unermüdlichem Recherchieren eine lange Auf­zählung der Themen zusammen gestellt, die einen weiten Bogen spannen von biologischen, heimatgeschichtlichen, landeskundlichen bis hin zu zeitgeschichtlichen Themen.

Namhaften Anteil hatte der Ortsverein auch bei Aufbau, Schau und Betreuung der beiden Ausstellungen:

  • „Die Kunsthandwerker Haas“ und
  • „Sterben, Tod und Trauer in christlicher Tradition“.

Durch fünf Jahrzehnte hin zog sich als Daueraufgabe das Bewahren der Feld- und Flurdenkmäler. Wie oft wurden diese schon restauriert, wobei sie immer wieder dem Zahn der Zeit verfielen. Für den wertvollen Theiler-Korpus wurde ein Ersatz-Christus angeschafft. Und in den letzten Jahren kaufte der Verein 2 Ersatz-Corpora, für die durch Witterungsschäden vernichteten Originale an Richter- und Theilerkreuz.

Von einem großartigen Erfolg sah der Ortsverein sein Bemühen auf dem Gebiet der Denkmalpflege gekrönt, als

  • am 12. Mai 2007 fand die Wiederweihe der Angerkapelle durch H. Pfr. Wolf­ statt. Es war die Krönung eines mehrjährigen Unterfangens, bei dem FSV, Markt, Handwerker und Spender gemeinsam eine Restaurierungsmaßnahme in solidarischer Aktivität durchführten. Weihehandlung und anschließende Andacht wurden vom Musikverein und vom Kirchenchor feierlich umrahmt. Und Frauen aus dem Verein sorgten bei dieser „kleinen Kirchweih“ für das leibliche Wohl. Mit Stolz konnte festgestellt werden, dass die Schätzsumme von 120.000 Euro durch Eigenleistung und Zuschüsse auf ca. 60.000 Euro reduziert werden konnte.
    Durch den Kleinverkauf von Büchern und Bewirtung bei allen Veranstaltungen konnten die Kosten weiterhin teilweise abgefedert werden. Mit der Gestaltung des Umfeldes ist wahrhaftig eine Idylle in der Natur entstanden. Freilich harren auch Kreuz und Bildstock an der Kapelle, wie auch die Nepomukstatue an der Wiesent noch einer kostspieligen Reparatur.
    Dankenswerter Weise hat sich erst in den letzten Tagen ein Spender für den Corpus an der Kapelle angeboten.

Der Jubelverein bot bei mehreren Anlässen dem Hauptverein seine Hilfestellung an. Um nur einige in Erinnerung zu rufen:

  • Mehrmals organisierte die Vorstandschaft das regionale Advents- oder Weihnachtssingen in den Gotteshäusern von Pretzfeld und Hetzelsdorf.
  • Das Markieren überörtlicher Wanderwege wurde von Pretzfeld stets zuverlässig als angenehme Pflicht empfunden.
  • Die Ausrichtung des Heimattages 1977 sollte die Kirchweihbräuche zur über­örtlichen Schau bringen. Leider machte das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung.
  • Umso mehr aber wurden Einsatz und Tatkraft besonders belobigt, als dem Ortsverein im Jahre 2003 Vorbereitung und Durchführung des 19. Heimattages der Fränk. Schweiz übertragen wurde:
    Das Programm umfasste Festversammlung mit Verleihung des Kulturpreises an Josef Seitz,
    die Ausgestaltung eines Heimatabends im Festzeit am Kirschenfestgelände,
    den Festzug selbst mit volkstümlichen szenischen Darstellungen,
    die Errichtung eines eigenen Zeltes für Ausstellung der Arbeitskreise und
    die Gestaltung eines ökumenischen Gottesdienstes.
    Dem eigentlichen Festgeschehen voraus ging eine Festwoche mit Autorenlesung, Kirchenkonzert, Ausstellung und den Darbietungen mehrerer Musik­gruppen.
    Der Schirmherr, Regierungspräsident Angerer, war ob des Einsatzes des Ortsvereins sichtlich beeindruckt.

Seine Glanzleistung vollbrachte der Ortsverein allerdings im Jubiläumsjahr 1995, als der Markt Pretzfeld der 850. Wiederkehr seiner Erstnennung gedachte. Da war sein tatkräftiges, vielseitiges Mitwirken bei 22 Veranstaltungen im Rahmen des festlichen Jahresprogramms gefordert. Unsere weiblichen und männlichen Mitglieder haben daher auch Anteil an den großen Erfolgen, die Festzug, eine Vortragsreihe, Ausstellungen, szenische Darstellung des historischen Geschehens und viele andere Veranstaltungen eine umfassende öffentliche Anerkennung und wohl auch verdientes Lob einbrachten. Als überragender Beitrag zum Jubiläumsjahr ist wohl das von Walter Tausendpfund verfasste Schauspiel von der Ausstellung der Urkunde 1145 zu werten.

Pretzfeld bot dem Hauptverein auch eine geeignete Plattform, als 2006 die Fränki­sche Schweiz „die größte Gala ihrer Volksmusik“ in der Pretzfelder Turnhalle abhielt. Der Leiter des Arbeitskreises Volksmusik, Eberhard Hofmann, stellte dabei die neue CD vor, mit der sich 35 Sing- und Musikgruppen aus dem „Schlupfwinkel des deut­schen Gemüts“ vorstellten und der Leiter des Kulturausschusses, Walter Tausend­pfund, die umfassende Tätigkeit dieses Arbeitskreises würdigte. Eine stattliche Reihe von Mundartautoren brachten Abwechslung in die Programmfolge.

Lange Jahre war Theo Haas Leiter dieses Arbeitskreises. Er und seine Kerschtenzupfer standen Jahrzehnte im Rampenlicht des Hauptvereins. Und das hätte am heutigen Tag wohl eine eigene Würdigung verdient, die wir uns allerdings aus Zeitgrün­den versagen müssen. Was bleibt, sind Trauer und Wehmut darüber, dass Theo und seine Sänger -ja sagen wir: aus demografischen Gründen- vor 3 Jahren ihre öffentlichen Auftritte einstellen mussten. Was aber weiterhin bleibt -sind viele gute Erinnerungen an eine Zeit, in der die sangesfreudigen Kerschtenzupfer so viele Herzen erfreuten.

Die Pretzfelder Ortsgruppe ist keinesfalls die geringste unter den örtlichen Aktivgrup­pen im Hauptverein. Denn aus ihr heraus wirkten auch engagierte Personen und Mandatsträger, die für ihr Wirken über den örtlichen Horizont hinaus für ihre Verdienste geehrt wurden:

Wir dürfen hier erwähnen,
dass den ehemaligen Leitern von Arbeitskreisen, Theo Haas und Ingeborg Nickel, der Ehrenschild als höchste Auszeichnung des Hauptvereins verliehen wurde,
dass Erwin Wunder und Franz Kolb Dankurkunden für außergewöhnliche Verdienste erhielten,
dass eine ganze Reihe noch lebender Gründungsmitglieder schon vor 10 Jahren (1999) Treue-Urkunden erhielten,
Karl-Ludwig Grodd für beispielhaftes Wirken mit dem Goldenen Vereinsabzeichen ausgezeichnet wurde
und dass 2003 Josef Seitz der Kulturpreis der Fränkischen Schweiz zuerkannt wur­de.

 

Ich bitte um Nachsicht, wenn in der mir vorgegebenen Zeit nicht alle Ereignisse der letzten 50 Jahre und nicht das verdienstvolle Wirken aller herausragenden Persönlichkeiten erwähnt und heraus gestellt werden konnte. So muss die chronologische Aufzählung mit Lücken behaftet sein. Die lange Liste von Erfolgen mag uns aber mit Selbstbewusstsein und Stolz erfüllen.

Wenn unlängst der Jubelverein sein Jahresprogramm mit einem ökumenischen Got­tesdienst einleitete, so mag dies auf ein besonderes Merkmal seiner Verwurzelung in der Tradition hinweisen.

Der Chronist darf dem Jubelverein mit seinen 254 Mitgliedern gratulieren und ihm beste Wünsche für eine gedeihliche Arbeit in der Zukunft wünschen.

Also weiterhin „Glück auf!“

 

Pretzfeld, den 7. März 2009

Josef Seitz