Folge 2: Restaurierung von Bildstöcken und Martern

Restaurierung von Bildstöcken und Martern durch den Fränkische-Schweiz-Verein 2016 (2)*

Die Geierstoß-Marter (Pflugschar-Marter) 

Meine erste Bezeichnung weist auf den Ort hin, die zweite in Klammern auf die Geschichte. Im Urkatasterplan von 1843 ist die Marter eingezeichnet.

Zettler (1, Nr. 92) nennt als Standort noch „an der alten Weinstraße“, welche über Wannbach nach Urspring die Alb hoch, über Pfaffenlohe bis vor Morschreuth führt. Dann geht sie beim Steinkreuz ab zum Heidekreuz und weiter nach Kleingesee.

Bei Glas (5) zeigt die Beilage 5 eine Karte von 1777 aus dem Gemeindearchiv Pretzfeld (GAP Akten, A17) mit diesem StraĂźennamen.

 

Unglück mit tödlichem Ausgang

Zettler erwähnt auch zu diesem Bildstock eine Sage:

Herr Zöberlein von Pretzfeld erzählte, dass hier ein Bauer den Hohlweg runter mit seinem Gespann zu Tode geschleift wurde.

Der Hohlwegcharakter der Geierstoß-Fuhre ist längst verschwunden.

Dieser Säulenbildstock ist bei Voit (4) mit M205 registriert und wird auf das 17. Jahrhundert datiert. Ein Lageplan aus 1974 zeigt Kreuz, Marter, daneben noch eine alte Obstdarre und den alten Verlauf der „Geierstoß-Fuhre“. Auf einem alten Foto von der Anlage ist die Marter vor der rechten Linde kaum erkennbar.

Voit berichtet ohne weitere Angaben von einer anderen Version des UnglĂĽcks:

Ein Bauer ackerte auf einem Feld bei Wannbach. Das Leitseil hatte er um seinen Arm gebunden. Plötzlich scheute das Ochsengespann und raste los. Der Bauer wurde zu Tode geschleift. An der Stelle, wo die Marter steht, blieben die Ochsen stehen (Weisel 1977).
Bei dieser Version fragt man sich, warum von Wannbach nach Pretzfeld diese lange Strecke?
Dass es sich hier um ein Unglück mit tödlichem Ausgang gehandelt hat, darauf dürften die Abbildungen über den leeren Bildnischen hinweisen: Pflugschar und Pflugsech.

Wikipedia:
Das Sech (auch Pflugsech, Pflugmesser, Messersech, Vorschneider oder Vorschäler genannt) ist ein sogenanntes Vorarbeitswerkzeug beim Pflug, das den Boden vor dem Pflugschar senkrecht einschneidet und meistens die Form eines langen, leicht gekrümmten Messers hat.

Voit nennt noch einen anderen Vorfall und bezieht sich dabei auf das Buch über Gößweinstein von Helldörfer (S. 506), der aus dem Mirakelbuch von 1773 zitiert:
Schnitzerlein, Hs., Bauer, Pretzfeld, seine Ochsen sind samt Wagen ĂĽber den Leib eines armen Kinds hinweg, das fĂĽr tot gehalten, auf sein GelĂĽbde hin aber am Leben blieb.
Dies sind aber zwei ganz verschiedene Sachverhalte. Laut Nachfrage in Gößweinstein gibt es hierzu und für diesen Zeitraum keine Unterlagen mehr.

Es fällt auf, dass der Sockel ganz im Erdreich steckt.

Restaurierung
Restaurator Gerd Tippl – mit den Pretzfelder Kulturdenkmälern inzwischen sehr vertraut – listete zusätzlich zu den Arbeiten wie bei der Hostienmarter noch auf:
Verkleben des vorhandenen Risses und mineralischer Verschluss
(Eindringendes Wasser kann einen Teil des Aufsatzes wegsprengen)
Abbeizen von Asphaltverschmutzungen
Rostschutzbehandlung des abgebrochenen Kreuzes
(bei Zettler/1 ist das kleine Eisenkreuz noch ganz)
(hier keine Vergoldung mehr)
Freilegen des Ringwulstes zwischen Sockel und Schaft
Schlussbehandlung mit leicht pigmentierter Lasur (kein Kunststoff)

Diese kleine Anlage mit Kreuz, Marter, Linden und den Ruhebänken wird gerne ähnlich wie in den Angerteilen von Wanderern, Spaziergängern und Radfahrern für eine kleine Rast genutzt.

Fränkische-Schweiz-Verein
Hermann Bieger

Literatur:
(1) Die Flurdenkmäler im ehemaligen Landkreis Ebermannstadt, Franz Zettler, 1977,
Heft 1/2, Mitteilungsblätter der „Deutschen Steinkreuzforschung“, Jahrgang 33
(2) Bildstöcke und Martern in Franken, Josef Dünninger/Bernhard Schemmel, 1970,
Stürtz  Verlag Würzburg
(3) Wallfahrtsland Franken, Karl Kolb, 1979, Edition Kolb im Echter Verlag WĂĽrzburg
(4) Die Martern im Landkreis Forchheim, Otto Voit, 2007, Verlag Kulturamt des
Landkreises Forchheim
(5) Pretzfeld II – Die Ortsteile, Reinhold Glas, 2007, Band 13 in der Schriftenreihe
des Fränkische-Schweiz-Vereins „Landschaft und Kultur“, Erlangen Palm & Enke

* Folge 1 betrifft die Hostien-Marter bei der Angerkapelle